Presse

In der aktuellen Ausgabe (3/2016) der Zeitschrift VOX HUMANA fasst Daniel Allenbach das Projekt nicht nur für Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zusammen, sondern auch für Sängerinnen und Sänger – denn nicht nur das Spiel eines Instruments, sondern auch Gesang kann in jedem Alter Freude bereiten.

Unabhängig von unserem Projekt berichtet zudem der Berner Oberländer/die Berner Zeitung über die medizinische Verschreibung «Cellospiel». Den kompletten Beitrag lesen Sie bitte direkt auf der Website der Berner Zeitung.

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Broschüre Instrumentalunterricht 50plus

Die Ergebnisse des Projekts – die in ihrem vollem Umfang auch weiterhin auf wikiversity abrufbar sind – liegen zusammengefasst mittlerweile auch in Form einer handlichen Broschüre vor. Die Broschüre kann entweder direkt als PDF heruntergeladen werden oder aber gegen Einsendung eines adressierten und frankierten Rückantwortcouverts kostenlos bestellt werden bei:

Hochschule der Künste Bern
FSP Interpretation
Daniel Allenbach
Fellerstr. 11
3027 Bern

Gesichter und Geschichten

Unsere Forschung lebte von den Interviewpartnern – zwei davon stellen sich hier vor.

Der Klang der Klarinette fasziniert mich
Marianne Gfeller (64) aus Wichtrach: freiberufliche Pflegefachfrau, verheiratet, drei erwachsene Kinder, spielt Klarinette

Die Reduzierung ihres Arbeitspensums brachte den Stein ins Rollen: Die ehemalige Pflegefachfrau beschloss den Instrumentalunterricht wieder aufzunehmen. Und es musste die Klarinette sein, deren Klang Marianne Gfeller schon lange faszinierte.
Musik war immer Teil von Marianne Gfellers Leben: bereits als Kind musizierte sie, ebenso als Erwachsene und als sie aus familiären Gründen keine Zeit für den Instrumentalunterricht hatte, sang sie in einem Chor. Der Traum, Klarinette zu spielen blieb aber. Als Marianne Gfeller ihr Arbeitspensum reduzieren konnte, kaufte sie sich eine Klarinette und begann Stunden zu nehmen.
„Ich fokussiere mich nicht auf die Technik, ich möchte einen möglichst schönen Klang hervorbringen.“ Für sie mache gerade dieses Experimentieren mit dem Klang die Faszination des Instrumentes aus. Marianne Gfeller betont jedoch auch, dass ihr das Üben gut tut: sie kann sich entspannen und Abstand zum Alltag gewinnen. Die Tiefenatmung, die beim Spielen dieses Instruments wichtig ist, hilft der ehemaligen Pflegefachfrau im Alltag: „Ich fühle mich dadurch körperlich wohl und geistig wach.“

Unterrichten ist mein Hobby
Werner Jost (70) aus Münchenbuchsee: Elektromonteur und Project Manager, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, unterrichtet Alphorn.

„Alphorn spielen soll vor allem Freude machen“, findet Werner Jost. Deshalb ist es ihm auch wichtig, dass Lernende selbst erkennen, wo ihre Stärken liegen und sie nicht zu etwas gezwungen werden – zum Beispiel Stücke auswendig zu lernen – wenn sie dies nicht möchten.
„Das Alphorn spielen habe ich mir selber beigebracht“, berichtet der passionierte Bläser. Vor rund dreissig Jahren hat Werner Jost das Instrument entdeckt. Für den Unterricht möchte der Autodidakt keine Bezahlung, sonst entstehe unweigerlich der Zwang, Leistung erbringen zu müssen, sowohl für ihn als auch für die Lernenden.
Die Freude an der Musik und die Abwechslung, die das Alphorn spielen in sein Leben bringt, sind für Werner Jost zentral. Probleme sieht er für die Lernenden vor allem beim Auswendiglernen oder bei Versagensängsten: „Viele möchten lieber nach Noten spielen und haben Angst, alleine eine Stimme zu übernehmen.“ Schwierig werde es auch, wenn jemand in der Gruppe die Lautstärke oder Rhythmik nicht im Griff habe. „Es ist wichtig, dass die Musizierenden nicht nur an sich denken, sondern auch auf das Spiel der anderen hören.“
Viele Lernende müssen über den eigenen Schatten springen. Einige lassen sich darauf ein, andere nicht. „Wichtig ist, dass die Lernenden selber erkennen was möglich ist und dass sie Freude daran haben.“

Resultate auf Wikiversity

Nach einer intensiven Auswertung der insgesamt 43 Interviews mit Lernenden 50plus und Lehrpersonen ist ein Grossteil der Ergebnisse des Forschungsprojekts mittlerweile auf Wikiversity publiziert. Die Resultate geben Einblick in persönliche Erfahrungen, lassen sich aber bis zu einem gewissen Grad auch verallgemeinern beziehungsweise haben in diversen Punkten Relevanz über den oder die Einzelne hinaus.

Während der Untersuchung wurden anhand eines offenen Gesprächsleitfadens mit einer möglichst ausgewogenen Stichprobe aus  Neueinsteigenden, Wiedereinsteigenden und Lehrpersonen Interviews geführt und diese dann anhand einer Auswertungsvorlage verschriftlicht. In einem zweiten Schritt wurden die einzelnen Aussagen in Kategorien eingeteilt und diese Kategorien wiederum sogenannten «Clustern» zugeordnet. Ergebnis ist ein möglichst umfassender Einblick in verschiedene wichtige Aspekte des Unterrichts für Personen 50plus – beispielsweise zu Anfang, Motivation und Zielsetzung des Unterrichts, aber auch zu Lehr- und Lernmethoden. Doch lesen Sie am besten selbst – und melden Sie sich wiederum zu Wort, direkt als Kommentar auf dieser Seite oder in einer Rückmeldung an uns.

In den kommenden Monaten werden im Rahmen dieses Blogs weiterhin Einzelthemen beleuchtet – das gewonnene Material hält noch viele weitere Entdeckungen bereit – und auch Wikiversity wird weiterhin ergänzt und erweitert.

E-Learning

Altersunabhängig wird heute anders gelehrt und gelernt, als noch vor 20–30 Jahren. Das betrifft neben der Pädagogik ganz allgemein besonders die technische Unterstützung beim Lernen.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Instrumentalschulen, die mit einer Begleit-CD ausgeliefert werden, die bereits erste Töne in ein ansprechendes Gewand kleidet. Zudem finden sich Repertoirestücke als sogenanntes «play-along», so dass man also ebenfalls zu einer Tonaufnahme, die oft im Tempo variert werden kann, musizieren kann.

Schliesslich finden sich im Internet diverse Hilfsprogramme, die sich zum Lernen anbieten. Die Bandbreite reicht dabei von Aufnahmen von und Informationen über gespielte Werke oder Komponisten bis hin zu Lernvideos auf Youtube und Lern-Apps. Der grosse Vorteil: All diese Hilfsmittel sind jederzeit verfügbar. Allerdings: Selbst die beste Lernunterstützung kann den Unterricht bei einer Lehrperson aus Fleisch und Blut nicht vollständig ersetzen.

«Ich lese gerne die Biographien der Komponisten, das macht mir Eindruck … ich probiere gerne alleine aus, und vieles gibt es auch auf CD oder auf dem Handy.» (Frau B., Saxophon, 72)

«Ich spiele gerne mit CD, damit ich nicht immer etwas üben muss, was mir auf die Nerven geht; Stücke, die entspannen, die schön klingen.» (Frau A., Cello, 63)

Herr V. (Klavier, 52) schilderte uns seine Erfahrungen mit einer Klavier-Lern-App folgendermassen – und erklärt gleichzeitig, weshalb sie ihm nur in Kombination mit Live-Unterricht sinnvoll scheint:
«Das ist jetzt so eine App. Man sieht gleich, wo die Finger sein sollten. Jetzt zeigt es einem, auf welcher Note man ist bin und gleichzeitig sieht man es auch auf der Tastatur. Das ist für mich perfekt, weil ich dann nicht soviel Notenlesen muss, und ich höre, wie es klingt. Wenn ich nur ein Notenblatt habe, weiss ich nicht, welches Lied es ist und habe noch einmal mehr Mühe. Gut ist für mich eine Mischung von Auditivem in Kombination mit dem Notenlesen und der Tastatur. Allerdings: So erreicht man nicht die Ebene, auf der es um musikalische Inhalte geht, oder um Charakter. Darum klingen meine Stücke auch total hölzern. Das ist mir auch bewusst: Es ist eben das Musikalische, das fehlt.»

Musik wozu?

Weshalb sollte man in reiferem Alter noch mit einem Instrument beginnen oder wieder in den Unterricht einsteigen? Der Gründe gibt es viele: Manche wollen einfach etwas für sich machen, andere schätzen den Zusammenhalt beim Spielen in einer Gruppe. Dritte suchen Entspannung und vierten dient das Instrumentalspiel als Training für Körper und Geist. Hier eine Auswahl von Antworten aus unseren Interviews:

Mann (71, Klavier, Wiedereinsteiger): «Meine Erfüllung ist, dass ich diese Werke für mich studieren kann. Vor Publikum, nein, da bin ich nicht berufen.»

Frau (51, Querflöte, Wiedereinsteigerin): «Vorher war ich vor allem für meine Familie da und habe meine eigene Interessen zurückgestuft; das war manchmal auch frustrierend. Der Entscheid, jetzt wieder zu spielen, ist gut für meine Selbstsicherheit.»

Herr (58, Akkordeon, seit 2 Jahren): «Spielen entspannt mich.»

Frau (72, Saxophon, seit 6 Jahren): «Es gibt auch Kontakte; wir sind zu viert, die gemeinsam in die Bläserklasse fahren. Man verliert ja viele Freunde und es ist sehr wertvoll, in andere Kreise zu kommen …  Musik gibt auch einen schönen Zusammenhalt.»

Frau (62, Cello, Wiedereinsteigerin): «Ich mache das für den Bauch, für die Seele. … Das Cello gibt mir Halt, einerseits durch seine Form, seine Grösse und sein Gewicht und andererseits durch den Klang. Es gibt Boden.»

Herr (65, Klavier, Wiedereinsteiger): «Die Motivation war, dass man merkt dass man fünfundsechzig wird. Dass man in den Keller runtergeht und sagt: ‚Was wollte ich denn holen‘, dass man vergesslich wird. Also einfach geistig sich irgendwo fordern.»

Angebote für Gruppenunterricht

An den meisten Musikschulen oder bei privaten Musiklehrpersonen kann Einzelunterricht auch von Erwachsenen problemlos belegt werden. Für manche ist dies ohne Zweifel die richtige Gelegenheit, sich neu oder nach einer längeren Pause wieder an ein Instrument zu wagen. Für andere dagegen ist das gemeinsame Lernen in einer Gruppe von Gleichgesinnten motivierender. Deshalb präsentieren wir hier eine Auswahl von Angeboten für Gruppenunterricht in verschiedenen Kantonen – zum «gluschtig machen» für Neu- und Wiedereinsteigende und vielleicht auch als Anregung für Musikschulen und Lehrpersonen. Selbstverständlich freuen wir uns über Mitteilungen zu weiteren existierenden Projekten.

  • «Klavierunterricht für Herbstzeitlose» nennt sich beispielsweise ein Kurs der Musikschule Konservatorium Bern. Menschen ab 65 Jahren treffen sich dabei in Gruppen zu fünf Personen, um Klavier spielen zu lernen, wobei sowohl Kurse für Anfänger ohne Vorkenntnisse als auch für Fortgeschrittene angeboten werden. Ziel ist es, in vierzehntäglich stattfindenden Lektionen einfache Klavierliteratur zu erlernen.
  • Genauso an Neu- wie an Wiedereinsteigende richtet sich auch die derzeit in zwei Gruppen geführte Erwachsenen-Bläserklasse in Altdorf. Ob Saxophon, Flöte, Fagott oder Trompete: In der gemischtaltrigen Gruppe wird wöchentlich geprobt, wobei das Zusammenspiel nach Bedarf durch Einzelunterricht ergänzt werden kann. Kontakt: m.amgwerd[at]musikschule-uri.ch
  • Gedacht für jene, die nach einem kürzeren oder längeren Unterbruch ihr Streichinstrument ohne Druck wieder zur Hand nehmen wollen, ist das Streichorchester «le corde suonante» in Lenzburg. In wöchentlichen Proben werden gemeinsam einfache Werke erarbeitet und dabei auch technische Fortschritte erzielt. Im Gegensatz zu anderen Orchestern sind Auftritte dabei nicht das Ziel, der Einstieg ist denn auch jederzeit möglich. Kontakt: monika.altorfer[at]swissonline.ch
  • Eine ganze Reihe von Gruppenkursen in Rapperswil, Luzern und Altdorf bietet schliesslich pro musicante an. Dabei werden entweder in regelmässig stattfindenden Impulskursen Instrumente wie Klavier, Klarinette/Saxophon oder Gitarre erlernt, oder aber wird in verschiedenen Besetzungen gemeinsam musiziert.